Empathie als psychologisches Instrument der Kommunikation

Fantasie und Imagination beeinflussen unsere Kommunikation. Welche Prozesse sich dabei abspielen und warum Empathie wichtig ist, erklärt Fred Mast in einem Essay im pressesprecher – Magazin für Kommunikation. Er ist Professor für Kognitive Psychologie an der Universität Bern. Die Erforschung der Imagination ist sein Schwerpunktthema.

„Fantasie zu haben bedeutet, Alternativen denken zu können“, beschreibt Fred Mast. Wir können im Kopf Szenarien entwerfen, die zurzeit nicht real, sondern lediglich möglich sind – à la „Was wäre, wenn…?“. Wir seien deswegen in der Lage, künftige Handlungen zu simulieren, ohne sie in der Realität ausprobieren zu müssen. Das Gehirn befähige uns zur mentalen Simulation. Und diese Leistung ist es, die den Menschen auszeichnet, so der Professor.

Inhalte auffassen und verändern

Verschiedene Optionen im Kopf durchzuspielen ist auch die Basis erfolgreichen Kommunizierens. Aber Kommunikation findet nicht nur im Gespräch statt: Die gedankliche Nachbearbeitung von Gesprächen findet meistens im Anschluss an die Kommunikation statt, gewissermaßen „off-line“. Wir spielen zum Beispiel durch, was eine bestimmte Person zum Vorbringen eines Einwandes veranlasst haben könnte. Vor und nach der Kommunikation kommen Fantasie und Imagination ins Spiel. Und sie können den Inhalt der Kommunikation maßgeblich verändern. Wenn es das Ziel ist, nachhaltige Botschaften zu kommunizieren, die einen Einfluss auf das Verhalten von Menschen haben, dann ist es laut Fred Mast höchstrelevant, wie Menschen Informationen nachträglich bewerten.

Wie soll man denn nun „kommunizieren“? Man kann nicht mit Personen kommunizieren, wenn eine direkte Kontaktmöglichkeit nicht mehr gegeben ist. Aber was wir tun können, ist so zu kommunizieren, dass eine bestimmte Information auch langfristig wirkt. Und genau dabei hilft unsere Imagination. Nicht nur befähigt sie uns zur Vorwegnahme uns betreffender Situationen und der eigenen Gefühle, sondern auch diejenigen anderer Personen. Wir können uns in andere Personen hineinversetzen und uns vergegenwärtigen, wie sie in bestimmten Situationen fühlen werden. Mit Hilfe der kognitiven Empathie schätzen wir ständig ab, wie andere Personen mit bestimmten Informationen umgehen werden, was sie sich dazu denken und wie sich verhalten werden.

Die neue Stärke = Empathie

Die kognitive Empathie, ein Instrument unseres Gehirns, wirkt sich in vielen Fällen prosozial aus, aber natürlich kann sie auch zu Manipulation, Betrug und Lüge verhelfen. Die Herausforderungen, die die Gesellschaft meistern muss, brauchen laut Fred Mast in erster Linie Empathie: für zukünftige Generationen in Umweltfragen, für diejenigen, die es in unserer Gesellschaft nicht leicht haben, bei Führungsverantwortlichen in Wirtschaft und Politik. Empathie wird vielfach als „Soft Skill“ betrachtet und beispielsweise einem starken Durchsetzungsvermögen untergeordnet. Letzteres bietet allerdings keine nachhaltige Stärke, und die Rollen werden beim nächsten Kräftemessen wieder neu verteilt. Für den Professor für Kognitive Psychologie steht fest: Die neue Stärke heißt Empathie.

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Bild von Gerd Altmann auf Pixabay